Vom Klempner zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik – Die Geschichte eines Missverständnisses

Der Begriff oder die Bezeichnung  Klempner ist uns allen geläufig und gemeinhin verstehen wir darunter den Berufsstand des Gas- und Wasserinstallateurs bzw. Anlagenmechanikers für Sanitär – Heizung und Klimatechnik. Den wenigsten ist allerdings bewusst, dass diese Bezeichnung tatsächlich nicht (mehr) zutrifft, oder anders formuliert, die Bezeichnung ist nicht mehr zeitgemäß. Davon den Klempner zu rufen, wenn es zu einem Rohrbruch kommt oder es darum geht, Sanitäranlagen zu warten oder zu reparieren, ist also abzuraten. Denn dafür ist der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, kurz SHK, zuständig. Doch wie kam es eigentlich zu diesem Missverständnis? Dazu werfen wir einmal einen Blick in die Vergangenheit.

Der Klempner als klassischer Handwerksberuf blickt auf eine für das Handwerk nicht ungewöhnliche lange Geschichte zurück; und in der Tat, gab es eine Zeit, in der Klempner neben weiteren anderen Tätigkeiten eben auch der der heutigen Anlagenmechaniker nachgingen. Doch beginnen wir von vorne.

Der Begriff des Klempners entstammt einer Zeit, in der der Stellenwert des Handwerkers ungleich höher war, als dies heute der Fall ist. Dabei meint Handwerk all diejenigen Berufe, in denen Dinge oder Produkte in Handarbeit, mit Muskelkraft und Geschick ins Werk gesetzt, d. h. hergestellt wurden. Viele eben dieser das Handwerk betreffenden Begriffe, also auch der des Klempners, lassen sich auf eine Eigenart der sprachlichen Produktivität zurückführen. Die der Lautmalerei. Der Begriff Klempner ist seiner Herkunft nach eng verwand mit dem des Klapperns, Klimperns oder Klöpperns, Begriffe, die das Geräusch abbilden sollten, das bei der Arbeit mit verschiedenen Gegenständen – Metalle, Holz, Glas, usf. – entstanden. In Bezug auf den Klempner im Speziellen, ist diese Lautmalerei auf die Geräusche zurückzuführen, die während der Arbeit mit Blech, welches vom sog. Blechner geklempert, d. h. beschlagen und zugeschnitten wurde, entstanden.  Der Klempner war also derjenige, der beispielsweise auf Dächern und an Fassaden von Kirchen und ähnlichen Gebäuden unterwegs war und diese mit Blechen gedeckt und verkleidet hat. Apropos Blech. Das Anbringen von Wasserrinnen, Fallrohren und dergleichen gehörte ebenfalls zum Aufgabenbereich des Klempners.

Auch wenn es scheint, dass heutzutage, in Zeiten maschineller Fertigung, automatisierte Arbeitsabläufe usf. dem Handwerk das Wasser abzugraben scheinen, so lässt sich das Handwerk dennoch nicht wegdenken. Auch wenn es dabei vorrangig nicht mehr nur um die wirkliche Fertigung von Gegenständen und/oder Produkten geht, so lässt sich sagen, dass das Handwerk, wie eh und je, goldenen Boden hat. Eben selbiges gilt insbesondere für den „Klempner“, also den Gas- und Wasserinstallateur, oder korrekt, den Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik. Denn bei allem Fortschritt, den unsere Zeit mit sich gebracht hat, um einen tropfenden Wasserhahn zu reparieren oder den Überblick in dem unsere Wände durchziehenden Netz von Rohrleitungen zu behalten, bedarf es eines Fachkundigen, jemandes, der sein Handwerk versteht.

Doch kommen wir noch einmal auf die Begrifflichkeit zurück. Im Laufe der Zeit haben die verschiedenen Gewerke eine Ausdifferenzierung erfahren. In alten Zeiten waren die Tätigkeitsfelder, hier die des Klempners, noch um einiges weiter gefasst, als dies heute der Fall ist. So ist es per se nicht falsch, den Anlagenmechaniker als Klempner zu bezeichnen, denn eben jene Tätigkeiten, denen Gas- und Wasserinstallateure, bzw. Anlagenmechaniker heute üblicherweise nachgehen, zählten damals auch zu denen des Klempners oder Blechners, ein Allrounder könnte man also sagen.

Ebenjene Ausdifferenzierung der einzelnen Handwerksberufe hat also zu der begrifflichen Trennung dieser beiden Handwerksberufe und damit zu unterschiedlichen Bezeichnungen des jeweiligen Berufsstandes geführt. So ist der Klempner heute korrekterweise derjenige, der mit seinem umfassenden Wissen über die von ihm verwendeten Werkstoffe und die für die Verarbeitung dieser Werkstoffe notwendigen Verfahren – z. B. Nieten, Falzen und Kleben – dafür Sorge trägt, dass Dächer mit Kupferblech gedeckt werden, Metallfassaden, wie sie an modernen Gebäuden häufig anzutreffen sind, fachgerecht angebracht und Regenfallrohre und Dachrinnen montiert werden.

Wenn also der Wasserhahn tropft, Rohre verstopft sind, Badezimmer neu- oder umgebaut oder Heizungen montiert werden sollen, so ist der dafür richtige Ansprechpartner eben nicht der Klempner, sondern der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik, kurz: SHK.